Bequem und bio – Yoiqi

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Es gibt die einen, die einmal hineinschlüpfen und bis an ihr Lebensende zufrieden sind, bis der Stoff sich löst. Und es gibt die anderen, die aus der Suche nach der passenden Yogahose eine Wissenschaft machen. Bleiben wir bei der Wissenschaft: Die perfekte Yogahose muss in allen Bewegungen gut sitzen, sie sollte Haut und Höschen gut verbergen und der Bund darf nicht zu weit und nicht zu eng sein. Außerdem sollte der Hersteller noch auf Nachhaltigkeit achten. Weil es oft gar nicht so einfach ist, mehr über die Marken, deren Idee und Herstellungsweise zu erfahren, habe ich die Köpfe hinter den Hosen interviewt. Den Auftakt macht Yoiqi.

(ANZEIGE – weil ich den Namen der Marke erwähne.*)

Yoiqi ist eine Klamottenmarke aus Freiburg, die sich auf schlichte Designs und nachhaltige Produktion mit Bio-Baumwolle spezialisiert hat.

Weiche Bewegungen, starke Haltungen und innerer Ausgleich: Beim Yoga sollen Gedanken zur Ruhe gebracht und nicht ans Maurerdekolleté verschwendet werden. Die Hose muss also sitzen. Was macht eurer Meinung nach gute Yogakleidung aus?

Isa: Ich möchte in der Yogastunde am liebsten gar nicht an meine Kleidung denken. Das A und O ist für uns, dass die Kleidung nicht verrutscht, nicht zwickt, drückt oder juckt. Um Asanas auch mal länger zu halten, darf keine Naht an der falschen Stelle drücken. Knöpfe, dicke Nähte, Taschen oder Reißverschlüsse haben an Yogakleidung in meinen Augen nichts verloren. Deshalb halten wir unsere Styles so schlicht wie möglich. In dynamischen Flows fand ich es unangenehm, unter synthetischen Stoffen zu schwitzen. Was anderes als Baumwolle lasse ich deshalb nicht mehr an meine Haut, denn die riecht nicht und lässt die Haut atmen. Alles in allem: Yogakleidung soll schlicht, schön und funktional sein, damit sich die Yogini/der Yogi ganz auf die Praxis konzentrieren kann.

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Alex und Isa

Gründer und Mitarbeiterin von Yoiqi.

Das Design von Yoiqi ist ganz klar, die Farben ruhig: Inwiefern spiegelt sich eure eigene Yogapraxis in der Marke wider?

Isa: Der Antwort muss ich voranschicken, dass ich mit Iyengar-Yoga vor zehn Jahren in die Welt des Yoga eingetreten bin. Das war damals wenig Lifestyle und viel Konzentration auf eine sorgfältige Praxis. Diese Einstellung ist irgendwie hängengeblieben. Wenn ich Yoga praktiziere, möchte ich abschalten und die Welt da draußen für eine Weile vergessen. Das gelingt mir am besten, wenn ich mir über meine Kleidung, Trends und Aussehen keine Gedanken machen muss. Mit den schlichten Farben und klaren Schnitten klappt das super: Ich kann die Teile lange Zeit tragen, ohne dass mir das schrille Muster auf die Nerven geht, und kann die Leggings sogar auch in meiner Freizeit tragen. Ich habe mir nämlich mal zum Motto gesetzt: Trage keine Kleidung, in der du nicht auch Yoga machen könntest.

Ihr werbt mit ägyptischer Bio-Baumwolle: Was macht diese so besonders?

Alex: Die Baumwollfaser der ägyptischen Baumwolle zeichnet sich dadurch aus, dass diese besonders langstapelig (Stapel ist die Durchschnittslänge aller in einer Probe enthaltenen Fasern) ist. Je länger die Baumwollfaser ist, umso höher ist die Qualität der Baumwolle. Diese Eigenschaft macht die ägyptische Baumwolle besonders weich, elastisch und strapazierfähig.

Und was besagt das „Bio“ vor „Baumwolle“?

Alex: Bio-Baumwolle ist ein geschützter Begriff und darf nur dann verwendet werden, wenn die Baumwolle nach den Vorschriften des ökologischen Landbaus angebaut und geerntet wird. Besonderen Wert wird auf den Verzicht von chemischen Pestiziden und Düngemitteln gelegt.

Bio-Baumwolle wird nicht ganzjährlich auf demselben Boden angebaut, sondern abwechselnd mit anderen Pflanzenarten. So wird die natürliche Bodenfruchtbarkeit erhalten und gleichzeitig reduziert dieses Prozedere die Anfälligkeit der Baumwolle für Krankheiten und Schädlinge. Ein weiteres Mittel zur Schädlingsbekämpfung ist die gleichzeitige Aussaat anderer Pflanzen um die Baumwolle herum. Die wichtigste Auszeichnung von Bio-Baumwolle ist der Verzicht auf chemische Pestizide, Insektizide und chemischen Dünger. Denn circa ein Viertel des globalen Insektizid-Marktes wird für herkömmliche Baumwolle verwendet. Die Nutzung von Mist und Kompost als natürliche Dünger ist eine Bio-Alternative zu den künstlichen Varianten, die den Boden und die Baumwolle schädigen. Durch natürliche Düngemittel erhöht sich der Humusanteil des Bodens, der in diesem Zustand mehr Wasser und CO2 speichern kann.

Unterscheidet euch das von anderen Marken?

Alex: Mit Sicherheit ist die biologische Baumwolle aus Ägypten eins unserer Markenzeichen und ein Qualitätsmerkmal. Die Stoffe fühlen sich einfach so wunderbar samtig auf der Haut an und sind trotzdem sehr robust und strapazierfähig. Was uns jedoch von anderen Marken unterscheidet, ist der Faktor, dass wir unsere Styles von der Kulturinitiative SEKEM herstellen lassen. Das ist ein ökonomisches Modellprojekt für nachhaltiges, faires und ethisches Wirtschaften in Ägypten. Der gesamte Produktionsprozess – vom Pflanzenanbau, über die Fertigung bis hin zum Vertrieb – bleibt dort unter einem Dach. Alles kommt aus einer Hand, wird fair und transparent hergestellt und kommt komplett ohne weiteren Zwischenhandel aus! Das gibt es mit Sicherheit nicht allzu häufig im Modebusiness.

Soweit ich das recherchieren konnte, waren die Yogabodys so ziemlich die ersten Teile im Sortiment. Jetzt habt ihr Leggings und Tops. Was kommt als nächstes?

Alex: Stimmt so nicht ganz. Unsere ersten Styles waren der Jumpsuit Cross und die 7/8-Leggings. Nach wie vor zählen diese beiden zu unseren Lieblingsstücken und werden es mit Sicherheit auch noch lange bleiben. Danach sind weitere Jumpsuit- und Leggings-Modelle sowie der Body dazu gekommen. Als nächstes planen wir eine Yogahose für Männer, die ersten Prototypen sind schon in der Mache. Daneben wird es einen YOIQI-Hoodie, einen neuen Jumpsuit Tight, eine Capri Hose und tolle neuen Farben geben…

Wann wurde Yoiqi gegründet und wie kam's dazu?

Alex: Vor vier Jahren. Alle drei Firmengründer sind sehr modeaffin. Stefanie hatte schon lange die Idee, eine Yoga-Kollektion zu entwerfen. Und wir lieben schönes, schlichtes Design und feine Bio-Baumwolle auf der Haut. Wir glauben an ökologische und faire Arbeitsprozesse und an Kleidung, die Sinn macht.

Der Yogaklamottenmarkt hat ganz schön was zu bieten: Hosen mit Muster, knalligen Farben, in kurz, in lang, mit Taschen, ohne Taschen. Wie passen die reine Yogalehre, die von Askese und allem Immateriellen handelt, und das Business um Yogaklamotten zusammen?

Isa: Das passt, wie du schon sagst, ganz offensichtlich nicht so ganz zusammen. Aber natürlich muss man auch sehen, dass die Schriften und Lehren des Yoga schon Jahrhunderte alt sind und in unserem heutigen globalisierten Kapitalismus nicht mehr so einfach gelebt werden können wie damals. Wir versuchen trotzdem, der schnelllebigen Fashionwelt, die sich mittlerweile um die Yogapraxis herum entwickelt hat, etwas entgegenzusetzen. Mit ihrem schlichten Design sollen unsere Styles Lieblingsstücke werden, die ihre Besitzerinnen durch die Zeit begleiten: Slow Fashion statt Fast Fashion. Das passt für mich schon wieder etwas besser zum yogischen Lebensstil.

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Die Hose von Yoiqi.

Bio-Baumwolle aus Ägypten.

Mir ist mal während der Yogastunde die Hose gerissen, die Naht im Schritt hielt dem Spagat nicht stand. Hand aufs Herz: Hattet ihr auch schon mal eine Textilpanne beim Yoga?

Isa: Mein größter Textilfauxpas war vermutlich, in Thailand bei 40 Grad im Bikini Yoga zu machen. Das ist wirklich unpraktisch! Die Haut klebt aneinander und ständig macht man sich Sorgen, dass irgendwo was verrutscht. Auch bei solchen Temperaturen machen eine Shorts, ein Body und Sport-BH durchaus Sinn. Was ich auch nie verstanden habe ist, wie Menschen in diesen weiten Haremshosen Yoga machen können. Die sind zwar urgemütlich, aber so unpraktisch in vielen Asanas, weil man ständig in dem Stoff hängen bleibt. Die Lehre daraus lautet wahrscheinlich: Hände weg von zu viel oder zu wenig Stoff – ein gesundes Mittelmaß an den richten Stellen entspannt die Yogapraxis.

Okay. Nun stell dir vor, du trägst eine nigelnagelneue Yogahose. Welche Asana machst du damit zuerst?

Isa: Das ist eine schwere Entscheidung. Ich würde wahrscheinlich zuerst in Ardha Chandrasana, den Halbmond, gehen, aber einfach nur, weil ich die Haltung so gerne mag. Um die Stabilität zu testen, käme ein Kopfstand und für die Bequemlichkeit der Bogen hinterher, weil man da jede Naht spürt, die drücken kann.

*Sorry, Leute, aber ich habe keine Ahnung, ob es notwendig ist, diesen Artikel als Anzeige zu deklarieren. Blickt ja keiner mehr durch. Bezahlt wurde ich für den Post nicht. Ich befriedige damit lediglich meine journalistische und yogische Neugierde, hinter die Kulissen einer Sache zu blicken und sie mir und euch begreiflich zu machen. Amen.