Siya stellt die Welt Kopf

Der Kopfstand gilt als die Königsasana im Yoga. Denn der Kopfkrone wird eine wichtige Eigenschaft zugesprochen: Dort sitzt sozusagen die Erleuchtung. Bis zur Erleuchtung ist es ein weiter Weg – also erstmal ganz langsam. Das dachten sich auch Kathi und Georg von Siya Yoga: Sie wollen den Kopfstand vielen Menschen zugänglich machen und begannen, ihren eigenen Yogahocker zu produzieren. Ich habe Siya ganz zufällig beim Blättern im Yogajournal entdeckt und herausgefunden, dass die Marke aus Berlin, meiner Wahlheimat, stammt. Kathi, Georg und das Siya-Team entwickelten die Idee des Marktführers aus dem Allgäu weiter und bauen nun Hocker, die auch ihre Leidenschaft, das Klettern, widerspiegeln. Warum? Das erzählen die beiden im Interviewoo mit wampediboo.

Ihr habt euch ganz schön viel vorgenommen: Dem Marktführer Konkurrenz zu machen, ist bestimmt nicht einfach. Ist denn der Markt groß genug für mehrere Yogahocker?
Kathi: Ja, definitiv. Ich glaube der wird auch noch größer. Es gibt immer mehr Leute, die Yoga machen, da steigt auch die Nachfrage nach solchen Hilfsmitteln.

siya7.jpg

Aber auch ganz schön mutig…
Georg: Ja, wir haben bei Edelkraft – unserer Marke für Kletter- und Fitnesszubehör – so viel gelernt, das wollten wir auf andere Bereiche übertragen. Da Kathi als Ausgleich zum Klettern Yoga macht, kamen wir auf die Idee Hilfsmittel herzustellen. Es gibt immer noch etwas gibt, das man verbessern kann. Deshalb sehen wir diese große Marke als Herausforderer. 


Kathi: Unsere Erfahrung mit Holz als Material für Hilfsmittel beim Sport hat uns letztlich auf die Idee gebracht, selbst einen Hocker zu produzieren.

Was macht euren Hocker aus?
Georg: In unserem Design sind die Griffe abgerundet. Als Kletterer weiß man, wie wichtig die Hand ist, daher war uns die Haptik wichtig, der passende Griff.

Kathi: Beim Klettern geht es um Fingerkraft und darum, die Wand wirklich zu spüren, mit den Händen zu greifen. Wir haben drauf geachtet, dass die Griffe ergonomisch geformt sind, dass die Hand gut greifen kann. 


Georg prüft jeden Hocker noch einmal. (Foto: Siya Yoga)

Georg prüft jeden Hocker noch einmal. (Foto: Siya Yoga)

Wenn ich mir euren Hocker so anschaue, sieht man förmlich noch das Schleifpapier am Holz oder den Schweiß des Bearbeiters. Er sieht hochwertig aus und von Hand verarbeitet. Wie läuft die Produktion ab, schleift ihr den Hocker tatsächlich selbst zurecht?
Georg: Fast. Wir lassen alle Teile von verschiedenen Firmen herstellen, um den Hocker am Ende zusammenzustecken. Ich mache den letzten Schliff, damit am Ende wirklich alles passt. Derjenige der einen bestellt, soll sehen, dass sein Hocker handgefertigt wurde.

Und mit welchen Firmen arbeitet ihr dafür zusammen?
Georg: Mit Familienbetrieben aus dem Berliner Umland. Wir haben lange gesucht, bis wir kleine Unternehmen gefunden haben, die das Holz verwenden, das wir wollten, und die die Teile so verarbeiten, dass der Kunde am Ende in wenigen Minuten seinen Hocker selbst ohne Werkzeug zusammenbauen kann. Das geht dann ganz schnell. Hier im Norden Deutschlands ist es viel schwieriger, Schreinereien zu finden. Wir sind auch weiterhin auf der Suche. Also ich glaube, das hört eigentlich nie auf.

Kathi: Ja, puuuh. Das war ein sehr schwieriger Prozess, die ganzen, regionalen Firmen zu finden, die auch nachhaltig arbeiten. Wir haben insgesamt zehn Lieferanten – am Ende muss alles zusammenpassen.

Es geht also auch um Nachhaltigkeit?
Kathi: Ja, das ist uns sehr wichtig. Nachhaltigkeit zieht sich durch all unsere Lebensbereiche und liegt uns am Herzen.

Georg: Wir haben beide ein Freiwilliges Ökologisches Jahr gemacht. Da haben wir uns kennengelernt. Und daher kommt auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. Für uns ist auch das Thema Recycling ganz wichtig. Nicht jeder Werkstoff ist so in der Natur vorhanden, wie man ihn braucht. Schaumstoff zum Beispiel. Deshalb schauen wir, ob wir Recyclingmaterialien verwenden können.

Der Siya-Hocker wird einfach zusammengeschraubt.

Der Siya-Hocker wird einfach zusammengeschraubt.

Klingt irgendwie spannend.
Georg: Ja, das ist so richtig unser Ding. Es ist spannend, total im Planungsprozess zu stecken. Jedes kleinste Detail – vom werkzeuglosen Zusammenbau bis zum Bezug – selbst auszudenken. Vor allem beim Bezug haben wir am längsten überlegt. Wir wollten vegan produzieren, also war Leder raus. Kunstleder ist auch unangenehm und nicht ökologisch. Wir haben dann Ananasleder getestet. Aber das ist totales Luxusmaterial. Deswegen haben wir einen Stoff gefunden, der aus alten Fischernetzen gefertigt wird.

Was bedeutet das genau?
Georg: Wir haben ein Unternehmen in Italien gefunden, das gemeinsam mit einer gemeinnützigen Organisation alte Fischernetze sammelt und daraus einen neuen synthetischen Stoff herstellt.

Wie ist das eigentlich, eine eigene Marke zu gründen? Also, wann seit ihr an den Punkt gekommen, an dem ihr sagtet: Jetzt oder nie?
Kathi: Das war im Jahr 2015. Während der Elternzeit meiner Tochter fingen wir an, Edelkraft zu entwickeln. Ich habe zwar noch eine Zeit lang als Erzieherin gearbeitet, aber mir war klar, ich werde umswitchen. Als wir gemerkt haben, es läuft ganz gut, habe ich das gemacht.

Georg: Ich habe mich damals für Sportgeräte interessiert, wollte mir eines bestellen und habe dann im Internet gesucht. Als ich gesehen habe, dass die alle aus China oder so kommen, dachte ich: Das kann doch nicht sein. Das muss doch regional gehen. Also haben wir uns – Kathi, Oke und ich – anfangs immer bei meiner Oma im Haus getroffen. Wenn eine Palette kam, mussten wir die in den Keller tragen.

Aber Oma hat sich gefreut, ihren Enkel und seine Freunde zu sehen…
Kathi: Es war schon ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Denn sie war froh, dass wir da waren und wir hatten viel Platz, um zu planen und uns zu treffen. Und wir hatten jeden Tag ein tolles Mittagessen… aber irgendwann muss auch mal was Neues kommen. Für unser Teamgefühl suchen wir ein Büro innerhalb oder außerhalb von Berlin. Da hoffen wir jetzt einfach drauf, dass wir bald was Passendes finden. (+++Update: Das Büro ist bereits gefunden.)

Und wie kam’s zum Namen Siya?
Kathi: Sustainable Yoga Accessoires Und SIYA bedeutet Licht und Schatten. Diese beiden Gegensätze passen für mich optimal zum Yoga. Man findet zu sich und fasst alle Seiten von sich zusammen. Das war der Name, der gut passt.

Plant ihr bereits weitere Produkte?
Georg: Ja, tatsächlich. Wir sind gerade an einer Produktion für Yogamatten und für ein Yogarad dran. Da arbeiten wir mit verschiedenen Werkstoffen.

siya_kathi.jpg

Kathi

ist eine der Gründerinnen von Siya.Yoga. Sie bezeichnet die Marke, die aus ihrem ersten Projekt Edelkraft gegründet wurde, als ihr Baby. Neben ihren anderen „Babys“: Kathi hat zwei Kinder (acht und drei Jahre alt). Sie ist ausgebildete Erzieherin.

Lieblingsasana auf dem Hocker: Krähe

siya_georg.jpg

Georg

ist nicht nur Kathis Geschäftspartner, sondern auch ihr Lebensgefährte. Er hat Informatik in Berlin studiert, in diesem Job gearbeitet, ehe er sich für die Selbstständigkeit entschlossen hat.

Liebelingsübung auf dem Hocker: Liegestütze und Handstand